Das »Zarte«
Die Ausstellung (Z)ART soll eine Einladung sein, den Blick auf die kleinen Details zu richten, ohne sich dabei in eben diesen zu verlieren. Eine Intuition von etwas Zartem verlangt keine äußere Form von Beobachtung, sondern erfüllt sich in einer Weise der inneren Annäherung. Nur so kann ein Gespür für Feinheiten und zarteste Abweichungen entwickelt werden. Ein tastender Strich, eine einsame Linie, eine kleinste Nuance kann buchstäblich zu einem Element einer eigenen Form von Zärtlichkeit werden - eines eigenen Umgangs mit den Besonderheiten der eigenen Wahrnehmung. Auf diese Weise umspielt alles Zarte gleichsam unsere aktuelle Eigenwahrnehmung, die nicht mehr zwischen Innen und Außen, zwischen Detail und Ganzem trennt, sodass eine Korrespondenz zwischen Mikro- und Makrokosmos ermöglicht wird. Eine andächtige Zartheit verlangt keine Auswahl - sie respektiert, dass jedes mögliche Detail einer Wahrnehmung das Sprechen dieser Wirklichkeiten verändern kann. (Michael Kröger)
Das »Zarte« liegt also im Moment des Betrachtens, des Begegnen-lassens, das durch uns geschieht, im »offenen Gegenüber«, in dem wir auf Gegenstände treffen, die wir nicht eigenhändig angefertigt haben. Entscheidend ist hierbei, auf das »Zwischen« zwischen Mensch und Ding zu achten. In diesem Zwischenraum liegt die von Kant definierte Entdeckung der Gegenstandsbezogenheit des Denkens, also der Angewiesenheit des Denkens auf die Anschauung. Wenn der Mensch nach Martin Heideggers berühmtem dictum der »Hirte des Seins« ist, dann ist das Zarte so etwas wie eine noch unbekannte Oberfläche eines ästhetischen Seienden - sie erscheint, indem sie das Licht ihrer spezifischen Eigenheit reflektiert und eben darin selbst zum Vorschein kommt. Doch indem sie erscheint, entschwindet sie auch wieder und lässt die Räume zwischen den Dingen geheimnisvoll funkeln.
Verkörpert das »Zarte« am Ende nicht auch das Glück, für etwas Formen zu finden, von dem wir meinten, es längst vergessen zu haben?
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