(Z)ART - curated by Jan Hoet HOME

11.10.2009-31.01.2010

Zu den Künstlern

Mit dem stetigen Fließen eines sanften Wasserstroms vergleichbar, der noch das härteste Gestein auszuhöhlen vermag, sorgt sich der Künstler kontinuierlich um das Detail, welches den besonderen Wert eines Kunstgegenstandes erst ausmacht. Dabei bewirkt diese zarte Unmittelbarkeit nachhaltige Veränderungen, ohne sich großartig in den Vordergrund drängen zu müssen.

Vor diesem Hintergrund pendeln die prozessualen Werke Adam Gillams nahezu schwerelos wie Versprechungen des Paradoxen zwischen logischer Konstruktion und purem Zartgefühl. Anhand von Fäden, welche die einzelnen Elemente seiner Werke verbinden, lassen sich Geschichten ablesen, wenngleich sie nicht linear verlaufen. Gillams Skulpturen entstehen wie aus dem Nichts heraus und grenzen einen Platz in der Welt ab, an dem neue Beziehungen einzelner unverwandter Elemente geknüpft werden und denen eine erhabene Position zukommt.

Nach dem entschiedenen Leitsatz, die Kunst müsse wieder ihre Verbindung zur Realität des Lebens finden, wirkt Alberto Garutti in öffentlichen und halböffentlichen Räumen und realisiert seine Projekte vornehmlich in direkter Auseinandersetzung mit dem angebotenen Ort. Seine zweidimensionalen Arbeiten lassen sich als eine alles und alle verbindende Horizontlinie verstehen, die über die begrenzte Ausstellungsräumlichkeit weit hinaus weist. Seine warme Madonna-Plastik macht den Galerieraum für den Besucher zum überraschenden Ziel einer Pilgerreise.

Die Arbeiten Manfred Hoinkas sind durch den ständigen Wechsel der Form oder der Konstellation verbunden. Sein Arbeitsmaterial, vorwiegend Ton, wird zu einer Form gefügt, erfährt sodann wieder eine Auflösung, einen Wiederaufbau oder eine neue Ummantelung. Seine Plastiken stellen sich somit nur in »vorläufig fester Form« wie zufällige Fragmente im Raum dar, wobei jedes einzelne Objekt seine Eigenheit behauptet. Seine Wandarbeiten kreisen immer auch um eine zentrale Leere mit starker Anziehungskraft.

Innerhalb einer großen Bandbreite verschiedener Medien, die sich von Skulpturen über Installationen bis zu Videokunst erstreckt, befragt Katinka Bock die Referenzsysteme und Strukturen, die sowohl die sozialen Aktivitäten als auch das politische Denken organisieren. Oft stellt sie dabei Bezüge zu natürlichen Phänomenen her. Durch die Entgrenzung des Raumes, die Infragestellung von Höhen und der Neudefinition von Fixpunkten ermöglicht die Künstlerin dem Betrachter, unabhängig von geläufigen Symbolen, Bräuchen und der Geschichte einen eigenen, unverstellten Blick zu entwickeln.

Die unter der Hand des Künstlers Martin Schwenk gewachsenen Skulpturen stehen wie märchenhafte Pflanzenwesen entwurzelt im Raum und zeigen sich in zwiespältiger Weise als äußerst zarte und anmutige Geschöpfe, gleichsam aber auch als dem Unterirdischen zugewandte, wilde Wucherungen.

Wenngleich die Arbeiten Helen Mirras oft sehr poetisch erscheinen, ist die Künstlerin eher am metrischen denn am lyrischen Ausdruck interessiert. Dabei stellt sie mit gedeckten und zurückgenommenen Tönen und detaillierter Struktur präzise symbolische Hinweise auf inhaltliche Bezüge zu Umwelt und Ökologie her, ohne dabei der Gefahr des Dogmatismus zu laufen. Die Künstlerin versteht die Kultur nicht als scharfen Gegensatz der Natur, wie aus der zarten farblichen Korrespondenz ihrer Bodenskulpturen aus Filz, Baumwollstoffen und Steinen ersichtlich wird.

In anspruchsvoller und außerordentlich sorgfältiger Weise reproduziert Michał Budny Objekte, die er seiner unmittelbaren Umwelt entnimmt. In Reduktion auf die charakteristischen Grundformen entstehen kleine und zarte Kunstwerke aus einfachem Karton oder vergilbtem Papier. In poetischer Weise versteht es Budny auch solchen Dingen eine Form zu verleihen, die in der Natur keine fest umrissene, greifbare Gestalt besitzen, beispielsweise dem Regen, der Stimme oder dem Nebel.

Die Arbeiten Caroline McCarthys weisen deutliche Einflüsse des Readymade auf. Die Künstlerin zählt zu einer Generation, die durch subversive Eingriffe und kontextuelle Verschiebungen gewohnte Sehweisen und tradierte Bedeutungen verändert. Dabei richtet sie ihren Fokus nicht auf das Grandiose und Heroische, sondern vor allem auf die Betonung des Marginalen und scheinbar Bedeutungslosen, etwa in Erscheinung ausrangierter Verpackungsmaterialien. Dabei wird das Objekt wiederum aus seiner Markenidentität entlassen und bisweilen durch künstlerische Eingriffe gar veredelt.

Die Be-, respektive Umschreibung von gewöhnlichen Alltagsgegenständen ist ebenfalls Thema im Werk von Ulrich Meister, der diese mittels einer einzelnen Linie oder Farbfläche piktogrammähnlich auf ein einfaches Erkennungszeichen reduziert. Dabei bleibt ein hoher Wiedererkennungswert erhalten. Eine Serie dieser zweidimensionalen Objekte vor unausformuliertem Hintergrund lassen sich im Ausstellungsraum als stilisiertes Stillleben verstehen, innerhalb dessen die einzelnen Gegenstände keine direkte Verbindung zueinander eingehen.

Das Stillleben in der Tradition Morandis wird von dem jungen Künstler Kim Tae-Kyun in eine skulpturale Form überführt. Ganz in Weiß verleiht der Künstler selbst den Schatten eine feste Form, aus dem die Gegenstände - Flasche, Glas, Becher - erst durch die Bewegung des Betrachters herauszuwachsen scheinen.

In der sehr reduzierten, geometrisch geprägten Malerei Jens Wolfs werden Anleihen und Bezüge zum Konstruktivismus sichtbar. Er richtet sein Augenmerk dabei besonders auf Brüche durch die Materialität und Formensprache und baut bewusst Fehler ein, die den Eindruck makelloser Oberflächigkeit seiner Arbeiten gezielt stören. Dabei erscheinen seine hermetischen Arbeiten wie blasse Erinnerungen an das Hardedge-Kolorit.

Maßgefertigt und akzidentell ist ebenfalls das Bildthema der Künstlerin thousand pictures. »Customized dent« steht da auf einer, in den Fokus genommenen, eingedrückten Kühlerhaube zu lesen, wodurch der Unfall, das Missglückte - vielleicht das Zufällige überhaupt - ad absurdum geführt wird. Mit ihrer Präsentationsform unterwandert die Künstlerin die Erwartungen an die Einmaligkeit und den besonderen Wert hoher Kunst.

Der Fotograf Wim Starkenburg setzt den Betrachter mit seinen Werken Raumerfahrungen zwischen Architektur und Skulptur aus. Fiktive Räume, Keller, Tunnel oder Bunker werden durch die dramatische Atmosphäre von Licht und Schatten definiert und bilden »nicht-existierende Städte«, in welchen sich das Betrachterauge verlieren kann.

»Markus Friedemann Strieders künstlerische Haltung ist ungewöhnlich und unverwechselbar. Schmieden und Walzen – das sind die Techniken des Bildhauers, der seine dunkel-schwarzen, kompakten und hoch verdichteten Plastiken aus Stahl […] ausschließlich in der industriellen Freiformschmiede und in kleineren Walzwerken formt. [Er] arbeitet unmittelbar mit und in ›seinen‹ Materialien, d.h. er vertraut ganz auf die Mittel und Möglichkeiten des Stahls und des Reineisen. Das Ergebnis sind überaus sinnliche, erstaunlich vielgestaltige, individuell geformte und aller Schwere entkleidete Plastiken, die im Raum selbstbewusst ihren Platz einnehmen.« (Aus: Markus Friedemann Strieder – Geschmiedete Eisenplastiken und Tuschezeichnungen, Städtisches Kunstmuseum Singen)