(Z)ART - curated by Jan Hoet HOME

11.10.2009-31.01.2010

Historische Referenz

Willi Baumeister (1889-1955, Stuttgart)

Das ausgewählte Werk Willi Baumeisters mit dem Titel »Riesen fragmentiert« (1949) wird als kunsthistorisches Zitat zu den vorgestellten zeitgenössischen Positionen stehen. Als einer der führenden Vertreter der Moderne in Deutschland zur Mitte des 20. Jahrhunderts brachte »der Gegenstandslose« ein beispielloses Œuvre hervor, dessen Formgebung von der Magie des Archaischen ebenso beeinflusst wurde wie von nüchterner Fortschrittlichkeit.

Anders als die meisten Konstruktivisten und konkreten Künstler entfernte sich Baumeister in seinem Werk zunehmend von exakten Formen, die einem streng geometrischen Kalkül folgen. Er nahm vielmehr immer weichere und organischere Grundformen nach dem vielfältigen Erscheinungsbild der Natur zum Ausgangspunkt.

Das Werk »Riesen fragmentiert« changiert zwischen dunkler, mächtig wuchernder Ornamentik, die nahezu das gesamte Bild ausfüllt und den vielen feinen, fragmentierenden Kratzspuren der Binnentextur, die den hellen Grund durchscheinen lassen. Die besonders in seinen späteren Arbeiten häufiger eingesetzte Farbe Schwarz wurde von Baumeister als das Farblose verstanden und in Zusammenhang mit dem »Unbekannten in der Kunst«, dem »Geheimnis der Schöpfungstat« gebracht.

Die Gegenüberstellung dieses historischen Zitates mit Positionen von zeitgenössischen Künstlern in der Ausstellung (Z)ART verdeutlicht, dass die Elementarbegriffe der Form, Farbe und ihres Zusammenklanges in der vom Bauhaus geprägten Tradition auch heute wieder eine zentrale Rolle spielen. Hiermit wird sowohl zur lokalen Bauhaus-Geschichte als auch zur Kunstakademie Stuttgart eine Brücke geschlagen.

Jacobus Johannes Pieter Oud (1890-1963)

Ausschnitte der Weißenhofsiedlung aus künstlerischer Perspektive bilden ebenfalls historische Bezugspunkte in der Ausstellung (Z)ART. Das 1927 realisierte Reihenhausprojekt J.J.P. Ouds, das hier anhand eines plastischen Modells als Architektur in der Architektur erfahrbar wird, gibt ein Beispiel für die Geradlinigkeit, die schlichte Form und die strenge Schönheit der Bauhausschule, die eng mit Stuttgart verknüpft sind.

Der bedeutende Architekt war Mitbegründer der Gruppe »De Stijl«. Er plante zahlreiche Wohnsiedlungen und Reihenhausblocks, die der Idee eines innerhalb der Gemeinschaft geschlossenen Kreislaufs und eines »poetischen Funktionalismus« eine konkrete Form verliehen.

Die Reihenhäuser Ouds sind nach dem Prinzip der Einfachheit aufgebaut, die Räume nach praktischen Gesichtspunkten, nicht nach der üblichen Hierarchie geordnet. Mit leichtem Baumaterial sollte auf kleiner Fläche so viel Wohnraum wie möglich entstehen. Verwinkelungen der zur Sonne gewandten Häuser reihen sich rhythmisch aneinander. Wohnen und Wirtschaften, Innen und Außen werden nahtlos miteinander verbunden: auf der einen Seite die geschlossene Front auf der anderen die über großzügige Fensterflächen zum Garten hin weit geöffneten Räume. Die klare, übersichtliche Struktur dieser Gebäude ist bis ins kleinste Detail durchdacht. Jeder Winkel erfüllt Sinn und Zweck und spiegelt damit die logische Konzeption der gesamten Architektur wider.